Chiropraktik

Chiropraktik heute

Aufgaben des Chiropraktors sind die Diagnose und die Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparates – insbesondere der Wirbelsäule 
und von davon ausgehenden Störungen. Im Gesundheitswesen hat der Chiropraktor die wichtige Aufgabe, Patienten auf natürlichem Wege – in der Regel ohne Chirurgie und ohne Medikamente – zu helfen.

Die Tätigkeit des Chiropraktors ruht auf den vier Säulen Diagnose, Behandlung, Beratung und Betreuung. Die Leistungen des Chiropraktors werden von der Grundversicherung der Krankenkassen (obligatorische Versicherung), von den Unfallversicherungen, der Invaliden- und der Militärversicherung ohne vorgängige Überweisung einer anderen Medizinalperson – etwa des Hausarztes – bezahlt.

Seit 2011 wird das Studium in der Schweiz an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich angeboten. Das Studium dauert zwölf Semester und führt über das Bachelorstudium in Medizin (B Med) und das Masterstudium (M Chiro) zum chiropraktischen Doktorat (Dr. der Chiropraktik).

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Was kaum jemand weiss: Der Lehrstuhl für Chiropraktik an der Universität Zürich ist weitgehend privat finanziert. Die Stiftung fördert die Ausbildung von Chiropraktoren in der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in Bern und untersteht der Stiftungsaufsicht des Eidgenössischen Departements des Innern. Die Stiftung ist gemeinnützig und steuerbefreit.

Wir über uns – ein kurzer Auszug aus der Vereinsgeschichte

Überlieferte Schriften aus dem alten Indien berichten, dass man dort schon um die heilkräftigen Einwirkungen auf die Wirbelsäule wusste. Griechische Bildtafeln aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. weisen auf ähnliche Behandlungen hin. Die beiden Griechen Hippokrates und Galenos
beschrieben später sehr genau funktionelle Wirbelverschiebungen und die dazugehörenden erfolgreichen chiropraktischen Behandlungen. Leider geriet all dieses Wissen nach dem Untergang des Römischen Reiches in Vergessenheit, und erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich interessierte Kreise erneut mit dieser Methode der Wirbelsäulenbehandlung auseinanderzusetzen.

Die Wiederentdeckung der Chiropraktik ist dem Amerikaner David Daniel Palmer zu verdanken. Er versuchte nebenberuflich schon seit seiner Jugendzeit, Kranken zu helfen.

Als es ihm gelang, einen durch einen Unfall ertaubten Mann durch eine manuelle Behandlung der Halswirbelsäule zu heilen, wollte er nichts mehr dem Zufall überlassen. Er begann seine Heilmethode systematisch auszubauen und gab dieser den Namen CHIROPRAKTIK. Das Wort stammt
vom griechischen Chiros = "Hand". Es bedeutet also den spezifischen Einsatz der Hände des Therapeuten zum Heilzweck am Bewegungsapparat. Dies war 1895 in der kleinen Stadt Davenport am Mississippi.

Die Geschichte des Luzerner Verein Pro Chiropraktik ist ohne Zweifel eng mit der Entwicklung der Heilmethode Chiropraktik in der Schweiz verbunden. Nachdem um 1920 Frau Hermine Fagan, eine Amerikanerin mit schweizerischer Abstammung, als erste die Chiropraktik in die Schweiz nach Interlaken brachte, eröffnete bereits 1927 Simon Müller als dritter Chiropraktor in Luzern seine Praxis. Es zog ihn aber bereits kurze Zeit später nach Zürich. Im August 1928 eröffnete dann sein Bruder Dr. Josef Theodor Müller seinerseits am Hirschengraben 41a eine Praxis. Da aber die Behörden ihn schon bald wegen illegalen Praktizierens verfolgten, gründete er im Juni 1930 den "Verein zur gesetzlichen Anerkennung der Chiropraktik". Das war die Geburtsstunde unseres Vereines und damit der ersten Interessengruppe in der Schweiz, welche sich für die Belange der Chiropraktik einsetzt.

Erstes Ziel des Vereins war eine vielfältige Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung, stiessen doch medizinische Neuerungen von jeher auf ein gewisses Misstrauen. Dr. Theo Müller und die ersten Mitglieder des Vereins scheuten keine Mühe und auch keine finanziellen Opfer für die Verbreitung der Kenntnis der Heilmethode Chiropraktik. Obwohl das Luzerner Obergericht und das Bundesgericht gegen Theo Müller ein Berufsverbot aussprachen, kamen Patienten aus dem ganzen Kanton Luzern und der Zentralschweiz zu ihm in Behandlung.

Beim Kampf um die gesetzliche Anerkennung der Chiropraktik entstand durch die ständige Gesetzesübertretung eine Situation, bei der sich weder die Behörden noch das Volk und der Chiropraktor wohlfühlten. Alle waren sich bewusst, dass man eine Lösung finden musste. Im Jahr 1931 wurde eine Petition mit 5'000 Unterschriften an den Luzerner Grossen Rat eingereicht, und im gleichen Jahr erschien zum ersten Mal die von
Dr. Theo Müller ins Leben gerufene monatliche Zeitschrift "Chiropraktik". 

Im Herbst 1933 trat eine entscheidende Wende im Leben der Chiropraktik in Luzern ein. Der damalige Laienverein gründete ein Aktionskomitee. An der ersten Sitzung wurde man sich darüber einig, das "recht bald mit den Behörden auf loyale Weise Fühlung aufgenommen werden müsse, um mit den scharfen Auseinandersetzungen aufzuhören". 

Im Februar 1934 wandte sich das Aktionskomitee mit der Manifestation " Aufruf an das Luzerner Volk" an die Öffentlichkeit. Diesem Aufruf war eine Protest-Resolution beigelegt, mit welcher der "Verein zur gesetzlichen Anerkennung der Chiropraktik, Sektion Luzern" um die Unterschrift der Leserschaft bat. Am 10. März 1934 wurde bei der Staatskanzlei das "Initiativbegehren für die Zulassung der chiropraktischen Heilmethode im Kanton Luzern" zur Anmeldung gebracht. Nach langen Debatten und trotz Opposition der damaligen Schulmedizin beschloss das Luzerner Parlament am 25. Februar 1937 als erste Kantonslegislative in der Schweiz, die Chiropraktoren zur Krankenbehandlung zuzulassen. Somit hatte unser Verein, 7 Jahre nach seiner Gründung, ein erstes grosses Ziel erreicht.

Danach verliert sich die Geschichte des Luzerner Vereins Pro Chiropraktik ein wenig. Belegt ist, dass der Verein Ende 1958 257 Mitglieder hatte, und dass neben Dr. Theo Müller zwei weitere Chiropraktoren, Dr. Gasser und Dr. Oehen, in Luzern praktizierten. Ein wichtiger Berater unseres Vereins war zu jener Zeit Heinrich Buchbinder, der als einer der Pioniere an vorderster Front für die gesetzliche Anerkennung der Chiropraktik in Zürich gekämpft hat.

1957 wurde die Schweizerische Vereinigung Pro Chiropraktik (SVPC) gegründet. Diese lancierte 1962 eine landesweite Unterschriftensammlung, bei der der Luzerner Verein Pro Chiropraktik aktiv mitwirkte. Am 5. Juli 1962 konnte in Bern mit beinahe 400'000 Unterschriften die Petition zur Anerkennung der chiropraktorischen Behandlung als Krankenkassen-Pflichtleistung eingereicht werden. Als Resultat davon trat am 13. März 1964 die Revision des Kranken- und Unfallgesetzes KVUG inkraft. Weitere Bemühungen führten 1978 zur Anerkennung durch die SUVA und die Militärversicherung.

Nachdem nun fast alle Ziele erreicht waren, ging die Zahl der Mitglieder leicht zurück und der Verein hinterfragte seine Existenzberechtigung. 1966 wurde das erste Mal über einen wöchentlichen gymnastischen Abend diskutiert, um die Vereinsmitgliedschaft wieder attraktiv zu machen. Im November 1978 wurde die Idee vom damaligen Kassier und langjährigen Vorstandsmitglied Gerold Gut wieder aufgegriffen. Jedoch erst 1983 wurden unter dem neu gewählten Präsidenten Josef Gilli die ersten konkreten Schritte zur Einführung der Rückengymnastik unternommen. Im Oktober 1984 begannen im Pfarreiheim St.Karli in Luzern die ersten beiden Kurse für "Chiropraktisches Gesundheitsturnen". Zweifelsohne ist es Josef Gilli zu verdanken, dass der Verein durch die von ihm ins Leben gerufene Aktivität neue Impulse bekam und viele neue Mitglieder zum Beitritt animieren konnte. Das Fitnessangebot wurde über Jahre hinweg stets weiter ausgebaut und so bietet der Luzerner Verein Pro Chiropraktik heute über 30 Kurse auf dem Gebiet der Chiro-Rückengymnastik und Chiro-Aquagymnastik an. Die jüngste Geschichte des LVPC ist geprägt durch die ständige Erweiterung des Angebots mit einem zusätzlichen Standort in Willisau sowie durch die Einführung eines neuen Kurses auf dem Spezialgebiet "Pilates". Man könnte fast meinen, dass sich der LVPC seinem ursprünglichen Zweck, der Unterstützung der Chiropraktik, entfremdet hätte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Nur hat sich die Art und Weise der Unterstützung etwas geändert. Jedoch könnten die ständig steigenden Gesundheitskosten wieder dazu führen, dass erneut Kampfgeist gezeigt werden muss, womit sich der Kreis wieder schliesst.


Auszüge / Quelle: Anfänge der Chiropraktik in der Schweiz, Erwin Lorez D.C.